Biofunktionelle Zahnheilkunde verbindet optimale Kaufunktion mit natürlicher Schönheit und Langlebigkeit des Kausystems.
Zähne, Kaumuskulatur und Kiefergelenke wirken als eine sehr sensible, komplexe und im Körper weitläufig vernetzte biomechanische Funktionseinheit des Körpers zusammen. Ein Kausystem kann nur dann korrekt arbeiten und dadurch langfristig stabil und gesund bleiben, wenn
- sich die Kiefergelenke am Ende eines jeden Kauzyklus im sogenannten „Nullpunkt“ in der Gelenkpfanne befinden können (zentrische Lage der Kiefergelenke)
- in diesem Moment alle Zähne des Ober- und Unterkiefers gleichzeitig in Kontakt zueinander kommen ohne die zentrische Lage der Kiefergelenke dabei zu beeinflussen
- gewisse –sehr exakte– biologische Prinzipien der räumlichen Beziehungen von Ober- und Unterkieferzähnen sowie natürliche, nicht abgenutzte Zahnformen vorhanden sind
Ist dies nicht der Fall, sind die einzelnen anatomischen Strukturen und Gewebe unweigerlich unnatürlichen Beanspruchungen ausgesetzt.
Betroffene Patienten bemerken diese Störungen oftmals lange Zeit gar nicht, da sich das Kausystem vorübergehend auf diese Situation einstellen kann und sich somit daran „gewöhnt“. Dabei kann es passieren, dass sich die Zähne über Jahre immer weiter abnutzen, was weder ein natürlicher Vorgang ist noch zu einem natürlichen Alterungsprozess gehört.Kann der Körper diese Störungen jedoch nicht mehr kompensieren, können daraus vielfältige Erkrankungen und Symptome entstehen. Das Kausystem ist kein isoliertes Organ; daher können sich diese Störungen auf den gesamten Körper auswirken. Sie werden unter dem Begriff „Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)“ zusammengefasst.
DIE BIOFUNKTIONELLE REKONSTRUKTION EINES KAUSYSTEMS GLIEDERT SICH IN DER REGEL UND IM WESENTLICHEN IN DREI BEHANDLUNGSSCHRITTE
1. Vorbehandlung der Kiefergelenke und der Kaumuskulatur
Ein wesentliches Merkmal gesunder Kausysteme ist die physiologisch korrekte Lage der Kiefergelenke. Ausgehend davon ermöglichen wir in einem ersten Behandlungsschritt den Kiefergelenken eine Entwicklung in ihre natürliche, gesunde Position. Hierfür setzen wir -bestimmte Kiefergelenkserkrankungen ausgenommen- eine aufwändige MAGO-Aufbiss-Schienentherapie ein. Diese stellt eine Weiterentwicklung der bewährten „Michigan-Schiene“ dar. Sie wurde auf Basis langjähriger Erfahrungen in vielen Details verbessert und perfektioniert und hat nichts gemein mit einfachen „Knirscher“- oder „Nachtschienen“. Für diesen Therapieabschnitt sind keine Veränderungen an den Zähnen nötig, denn vorhandene biomechanische Störungen werden durch die MAGO völlig behoben.Am Ende einer MAGO-Therapie sind auch die Kiefergelenks-Strukturen so gut regeneriert und stabil, dass deren physiologische, zentrale Lage reproduzierbar bestimmt werden kann. Dies ist für die funktionell korrekte Gestaltung und damit für die Langlebigkeit Ihrer Zähne eine unabdingbare Voraussetzung.
2. Diagnose und Therapieplanung
Ausgehend von der erarbeiteten korrekten Kiefergelenksposition und verschiedenen anschließenden Vermessungen der Kiefergelenke kann bestimmt werden, welche Veränderungen der einzelnen Zähne nötig sind, um ein insgesamt harmonisch funktionierendes Kausystem zu schaffen.
Hierzu wird auf gelenksbezogenen Kiefermodellen für jeden einzelnen Zahn dessen zukünftige Form so erarbeitet, dass ein perfekt funktionierendes Gesamtsystem entsteht. Die notwendigen Veränderungen der Zähne können dabei von minimalen Formkorrekturen bis hin zu größeren Restaurationen reichen. Manchmal ist auch eine kieferorthopädische Vorbehandlung sinnvoll, um größere Stellungsfehler einzelner Zähne vorab zu beseitigen.
Die Erarbeitung dieses so genannten Wax-up setzt großes Können, Verständnis der Biomechanik des Kausystems und Verantwortung voraus. Das fertige Wax-up besprechen wir mit jedem Patienten und erklären die einzelnen Behandlungsschritte, welche zu dessen Realisation im Mund nötig sind.

3. Realisation des Wax-Up im Mund
Die langfristig erfolgreiche Realisation eines Wax-up erfordert eine umfangreiche und präzise Planung der Vorgehensweise
Es ist dabei beispielsweise zu berücksichtigen, dass die im Vorfeld erarbeitete Kiefergelenksposition nicht gestört wird und dass einzelne Zähne eine weit höhere taktile Sensibilität aufweisen als Zähne während einer Schienenbehandlung. Die Berücksichtigung und Beherrschung solcher Feinheiten ist für den langfristigen Erfolg sehr wichtig.
Aus diesen Gründen werden in der Regel zunächst zumindest einige Zahngruppen mit sogenannten Langzeitprovisorien aus Hochleistungs-Composite versorgt. Diese Restaurationen sind ebenso präzise laborgefertigt wie die späteren meist vollkeramischen Restaurationen, haben jedoch die Eigenschaft, dass sie im Mund noch justiert werden können, was aufgrund biologischer Vorgänge im Zahnbett, der Muskulatur und den Kiefergelenken notwendig ist.
Nach einer gewissen Zeit (meist einige Monate) und den nötigen Justagen können die Langzeitprovisorien anschließend in einzelnen Behandlungsschritten durch definitive, meist vollkeramische Restaurationen ersetzt werden.